Japan etc. – Einheitslook im Klassenzimmer

Es ist sicher kein Zufall, dass in Ländern mit großen sozialen Unterschieden (USA) oder etablierter Klasseneinteilung der Gesellschaft (UK) Schuluniformen eher üblich sind als in Gesellschaften, in denen man bis vor kurzem noch dem Ideal anhing, dass niemand zu arm sein solle, um seinen Kindern solche Kleidung kaufen zu können, die sie nicht zu Außenseitern macht.

Das halte ich für eine gewagte Theorie. Was ist beispielsweise mit Japan? Und in Kuba und Vietnam (und Nordkorea ) gibt es meines Wissens Pionieruniformen, die man zur Schule trägt. In Japan herrscht ein aggressiver Konformismus und extremer Lerndrill. Wer irgendwie “anders” ist wird gnadenlos ausgegrenzt und gemobbt. Japan hat (zusammen mit Südkorea, wo die Verhältnisse ähnlich sind) die weltweit höchste Suizidrate unter Schülern. Ein Zyniker würde wohl sagen “Prima! Hierzulande machen Schulversager Probleme, dort sorgen sie selbst für ihr sozialverträgliches Frühableben!” Zwischen den Schulen untereinander und damit zwischen deren Absolventen herrscht ein äußerst ausgeprägtes Ranking. Schulen einschließlich der privaten Paukschulen (“Sukus”. Nötig, weil sonst kaum jemand die Prüfungshölle schafft) haben dort den Charakter von Kadettenanstalten, welche Arbeitssoldaten, Arbeitsunteroffiziere und Arbeitsoffiziere für die Industrie heranzüchten sollen. Und *das* leisten die tatsächlich ganz gut. Die Uniform passt in dieses Umfeld. Wird aber inzwischen auch in Japan selbst kritisch gesehen. Und Nordkorea & Co. sind sowieso autoritäre militarisierte Gesellschaften, die ganz und gar nicht so klassenlos sind, wie die das von sich selbst behaupten. Nur dass z.B. in Nordkorea zur falschen Klasse zu gehören nicht heißt, dass man in einer Sozialwohnung leben muss, sondern dass man schlicht verhungert. Insofern bestätigen diese Beispiele eher die These des Vorposters.

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Japan ist uns stets 10 Jahre voraus – Handy-Flatrate von DoCoMo in Japan

Wir leben hier im Technologie-Steinzeitalter.

Dafür hinkt Japan uns bezüglich der sozial-kulturellen Entwicklung 50 Jahre hinterher. Geschmackssache. Immerhin ist zu sagen dass es hier keine verschmierten Bahnwagen, keine zerkratzten Fensterscheiben und keine aufgeschlitzten Sitze gibt, dass die Leute zuvorkommend und rücksichtsvoll sind, die Bedienung professionell und freundlich, und der Kunde tatsächlich noch König ist. Die Kriminalitätsrate ist verschwindend klein, man kann nachts ungefährdet durch noch so kleine und abgelegene Straßen schlendern.

Natürlich gibt es auch negative Seiten. Die Stellung der Frau beispielsweise, oder das Desaster sich als körperlich Behinderter in Tokyo unterwegs zu sein. Auch eine Reihe von Nachteilen im täglichen Leben lassen sich auf ihre Unfähigkeit zurückführen, sich zu beschweren. Aber grundsätzlich haben die Japaner eine hohe Frustrationstoleranz, sind hoch belastbar, kreativ, geschickt, kooperationsfähig und fleißig.

Über diese Charaktereigenschaften mag man geteilter Meinung sein. Ich persönlich bewerte sie positiv. Mag also sein dass die Japaner “hinterherhinken”, aber ich denke nicht dass sie irgendein Interesse daran haben den Westen mit seinem hohen Anteil an Selbstinszenierer ein- oder überzuholen.

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